, Guido Kunz

Auf dem Weg ans Eidgenössische Musikfest

Ausblick nach Biel, Abschied in Huttwil: Zwischen Strauss und Filmmusik präsentierte die Stadtmusik Huttwil an ihren beiden Jahreskonzerten auch das Selbstwahlstück fürs Eidgenössische Musikfest. Präsident Martin Sägesser trat nach elf Jahren zurück.

Von Gross zu Klein begann das Konzert der Stadtmusik Huttwil. Auf der Leinwand neben der Bühne sah das Publikum mittels Google Earth die Erde, reiste durch Weltall und Wolkendecke auf das Städtli zu, umrahmt durch die Stadtmusik mit Richard Strauss’ Einleitung zu «Also sprach Zarathustra». Der Übergang zum ersten Stück «No Roots» der deutschen Sängerin Alice Merton gelang nahtlos und läutete einen schwungvollen Konzertabend voller Energie ein.

Moderation mit Unterstützung
In Zeiten von künstlicher Intelligenz versprach die Moderation des Abends einige Schmunzler. Das Kreativteam, bestehend aus Anina Dietrich, Julia Grossenbacher, Sarah Tschumi und Lukas Nyffeler, nutzte keine KI, hatte die Moderation aber in elektronischer Form via Leinwand vorbereitet. Kinder der Stadtmusikantinnen und Stadtmusikanten präsentierten auf erfrischende Weise die Stücke, die am Abend zu hören waren. Das erste Stück des Abends war «Colossus». Es ist ein Werk des Komponisten Thomas Doss, das die Stadtmusik als Selbstwahlstück für das Eidgenössische Musikfest im kommenden Mai in Biel ausgewählt hat. Zusätzlich erläuterte das Trompetenregister in einem Film auf der Leinwand, wer mitspielte und wo die Herausforderungen des eigenen Registers lagen. Unter der Leitung des Dirigenten Michael Wyss eröffneten Trompeten, Hörner, Posaunen und Schlagzeug gekonnt das Werk und leiteten über zu einer volkstümlichen Melodie, die durch die Register gereicht wurde. Es folgte ein lebendiger und unruhiger Teil, bei dem das Zusammenspiel von Oboen und Flöten besonders herausfordernd war. Stephan Reber war dabei doppelt gefordert, da er mehrmals zwischen Oboe und Englischhorn wechseln musste. Nach dem runden Tutti zum Schluss folgte der wohlverdiente Applaus.

Verabschiedung von Martin Sägesser
Als Vorbereitung konnte das Stück «Bereit. Stark. Schnell.» gewertet werden. Es ist eine Komposition von Thomas Trachsel, der auch das Aufgabenstück des Eidgenössischen Musikfestes komponiert hat. Vorgestellt wurde der Konzertmarsch durch eine Kinderschar und das Euphoniumregister. Das Klarinettenregister widmete sich der Vorstellung des Komponisten, der einen ungewöhnlichen Marsch komponiert hatte. Der Stadtmusik gelang es, die verschiedenen Facetten wie den Wechsel zu Dur im Mittelteil und die unüblichen Einwürfe von Hörnern und Posaunen hervorzuheben. Wie gewohnt durfte das Publikum den Auftritt eines Solisten aus den eigenen Reihen geniessen. Michael Steffen wurde vom Tubaregister vorgestellt und machte sich bereit für den «Tuba-Muckl», ein Stück, das ursprünglich für Klarinette und Blasorchester geschrieben worden war. Virtuos und mit Spielwitz gelang es Steffen, die verschiedenen Stile des Stücks zu meistern. In bekannter Manier unterstützte die Stadtmusik den Solisten. Vor dem letzten Stück des ersten Teils begrüsste Präsident Martin Sägesser das Publikum – seine Ansprache war die einzige, die analog gehalten wurde. Er erläuterte die Idee des Kreativteams, die Ansagen durch Aufnahmen der «Stadtmusikkinder» zu gestalten. Zudem bedankte er sich bei allen helfenden Händen, die im letzten Jahr zum Gelingen der Feierlichkeiten «150 Jahre Stadtmusik Huttwil» beigetragen haben. Ebenfalls wies er darauf hin, dass dies seine letzte Ansprache als Präsident der Stadtmusik war, da er nach elf Jahren demissioniert. Zu seinem Abschied brachten die Stadtmusikantinnen und -musikanten in einem Film ihre Dankbarkeit für Martins Arbeit der letzten Jahre zum Ausdruck. Ihm zu Ehren und im Sinne seiner Funktion spielte die Stadtmusik «Il Presidente» von Thomas Doss.

Musik und Filmuntermalung
Nach der Pause wurde das Publikum mit Musik in den ersten Film entführt. Es erklang «March of the Resistance» des Komponisten John Williams, das für den siebten Film der Star-Wars-Reihe verwendet wurde. Nicht nur die Kinder und das Hornregister stellten das nächste Werk vor, auch Dirigent Michael Wyss gab dem Publikum Einblicke in seine Arbeit, indem er eine kurze Sequenz aus dem Stück «Mount Everest» vorspielte und dabei die Partitur und die Probenarbeit zeigte. Das Werk des Komponisten Rossano Galante zeigte, wie majestätisch und mystisch er sich den Mount Everest vorstellte. Diverse Melodien wurden durch die Hörner angeführt und gekonnt durch die tiefen Register untermalt. Als Gutenachtgeschichte wurde von den Kindern der Roman «Der Herr der Ringe» vorgelesen und als Theaterstück aufgeführt, bevor das Flöten- und Oboenregister seine Erfahrungen mit dem Stück aus dem Probenbetrieb erläuterte. Der Stadtmusik gelang es, dem Publikum die im Film untermalten Geschehnisse und Orte wie das Auenland, Moria oder Rohan näherzubringen und die unbarmherzigen Angriffe der Orks und Trolle mit Angst und Schrecken eindrücklich darzustellen. Das Posaunenregister stellte «S’Zündhölzli» vor, in dem die erste Posaunistin Martina Lehmann einen Soloteil übernahm. Das von Mario Bürki arrangierte Werk setzt verschiedene Musikstile ein, die hervorragend umgesetzt wurden. Als Überraschung wartete dann ein richtiger Film auf das Publikum. François-Xavier Dupas hatte die Musik zu einem rund sechsminütigen Zeichentrickfilm komponiert, der während des Konzerts lief. Das Zusammenspiel von Musik und Film war überzeugend und liess das Publikum staunend zurück. Zum Abschluss des Konzerts wurde das Holzbassregister vorgestellt, das für den Groove zuständig war. Passend dazu lautete das Schlussstück «Blame It on the Boogie» von den Jackson Five. Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum für das Konzert. Es gab noch eine mitreissende Zugabe mit «Gilberte de Courgenay» und mit dem kraftvollen vierten Satz aus Gustav Holsts «First Suite» einen glanzvollen Schlusspunkt.